Dienstag, 26.03.2019 14:12 Uhr

Franz Müntefering bei der Guerilla Gottes

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg Köln, 20.02.2019, 12:47 Uhr
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Köln [ENA] Ex-Vizekanzler Franz Müntefering, Zisterzienser-Generalabt Mauro-Giuseppe Lepori, Regisseure, Wissenschaftler und Autoren wollen beim 6. Rhein-Meeting in Köln ihre Urteilsmaßstäbe offen legen, um Menschen Orientierung bei der eigenen Urteilsfindung zu geben. Der Workshop wird unter Schirmherrschaft des Kölner Erzbischofs vom fundamental-katholischen Verein “Gemeinschaft und Befreiung” veranstaltet.

Die Kölner Kurie teilte mit, das kostenlose Seminar “Ein denkendes Herz” finde vom 22. bis 24. März im Maternushaus statt. Der Mailänder Gründer der Bewegung CL (italienisch: Comunione e Liberazione), der Priester Luigi Giussani, hatte laut kirchenkritischen Quellen nach einem Besuch des Opus Dei gesagt, CL sei “die Guerilla” und Opus Dei habe “die Panzer”. Kirchenreformer wie Wir sind Kirche erkennen in Giussanis Ansatz “Eine Taufe, ein Glaube, eine Partei” Vorbehalte gegenüber Nicht-Katholiken, vor allem gegenüber der protestantischen Theologie. CL sei in ihrem Heimatland in Skandale geraten und zurückgeworfen worden, besonders mit ihrer politischen Bewegung ”Movimento Popolare” beim Untergang der Democrazia Cristiana (DC) in Italien.

Die eingeladenen Experten aus den Bereichen Kirche, Politik, Bildung, Geschichte und Digitalisierung werden den Veranstaltern zufolge in Vorträgen, Podiumsgesprächen, einer Ausstellung und persönlichen Begegnungen das Thema „Gewissheit“ in einer komplexen Welt vertiefen. Das Rhein-Meeting greift einen Wunsch von Etty Hillesum auf, einer jungen niederländisch-jüdischen Lehrerin, die 1943 in Auschwitz-Birkenau umgebracht wurde. In intensiven Auseinandersetzungen mit sich selbst und ihren Umständen im Konzentrationslager gelangte sie zu immer größerer Gewissheit über Gott und das Leben und wünschte sich, für ihre Mitmenschen „das denkende Herz der Baracke“ zu werden.

In seiner Rede im deutschen Bundestag hatte der damalige Papst Benedikt XVI. vom „hörenden Herzen“ gesprochen, um das König Salomon bei seiner Thronbesteigung als einzige Gabe gebeten habe. Auch die Philosophin Hannah Arendt ging auf die Bitte des Königs ein, als sie schrieb, er habe gewusst, “dass nur ein ‚verstehendes Herz‘ (und nicht blosses Nachdenken oder Fühlen) es für uns erträglich macht, mit anderen, immer fremden Menschen in derselben Welt zu leben, und es ihnen ermöglicht, uns zu ertragen“. In diesem Sinne hätte das Rhein-Meeting Referenten eingeladen, zum Verständnis der heutige Zeit beizutragen und dazu ihre eigenen Urteilsmaßstäbe offen zu legen und zu teilen.

So werde der SPD-Politiker und frühere Vizekanzler Müntefering über die Prinzipien sprechen, die seinen persönlichen Einsatz in der Politik motiviert und geleitet hätten. Das Gespräch der IT-Expertin Yvonne Hofstetter mit dem Historiker Andreas Rödder analysiere die Auswirkungen der Digitalisierung. Während der Generalabt des Zisterzienserordens aus seiner monastischen Erfahrung als möglichen Schlüssel zum Verständnis der Wirklichkeit berichte, spreche der Gefängnis- und Schulseelsorger Andreas Knapp über Flüchtlingsarbeit und Christen aus dem Irak. Das Programm sieht auch eine Lesung aus dem Tagebuch von Etty Hillesum, ein Gespräch mit der Autorin Susanna Tamaro (“Ein denkendes Herz”) und eine Führung zum Richter-Fenster im Kölner Dom vor.

Zu CL erklärte Papst Benedikt XVI., die Bewegung stelle eine Möglichkeit dar, den christlichen Glauben in tiefer und aktualisierter Weise zu leben “durch eine Spontaneität und Freiheit, die neue, prophetische Umsetzungen apostolischer und missionarischer Vorhaben ermöglichen.“ Papst Johannes Paul II. habe die CL-Mitgliedern aufgefordert, allen Völkern “die Wahrheit, die Schönheit und den Frieden” zu bringen. Laut CL hat mit dieser Aufforderung eine neue missionarische Zeit begonnen. Inzwischen sei CL in über neunzig Ländern auf allen Kontinenten vertreten. Die CL-Monatsschrift Spuren will das Leben einer Bewegung dokumentieren, die mit zu den bedeutsamsten Aufbrüchen in Kirche und Gesellschaft zähle.

Kürzlich von Wikileaks enthüllte Papiere enthielten auch eine diplomatische Depesche, die von einer geheimen Vereinbarung zwischen dem damaligen US-Aussenminister Henry Kissinger und CL-Gründer Giussani wissen wollte. Ziel sei gewesen, den Vormarsch der Kommunistischen Partei in Italien zu stoppen und die Aktivitäten und die Medien der oben erwähnten Volksbewegung zu finanzieren. Dieser “politische Arm” von CL ist Zeitzeugen zufolge unter Führung des späteren Europapolitikers Roberto Formigoni und mit Hilfe von Kardinal Angelo Scola (Venedig, Mailand) ins Leben gerufen worden. Der erzbischöfliche Pressedienst hatte zunächst mitgeteilt, auch das Europäische Parlament habe die Schirmherrschaft übernommen. CL korrigierte diese Information.

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